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Wie teuer ist die Börse

Finanzwissen
posted: Sep 23 2007 at 8:48 PM
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Kennzahlen helfen, die Bewertung von Aktien einzuschätzen. Ihre Interpretation bedarf allerdings sorgfältiger Analyse.

Wer gut schlafen will, kauft Anleihen, wer gut essen will, bevorzugt Aktien." Andre Kostolany war nie um einen flotten Spruch verlegen. Der legendäre Börsenfachmann wusste aus eigener Erfahrung, dass festverzinsliche Wertpapiere wie Staatsanleihen ein gehöriges Maß an Sicherheit bieten, dass aber wirklich hohe Renditen vor allem an der Aktienbörse zu erzielen sind. Der Chance auf lukrative Gewinne steht allerdings eine größere Schwankungsbreite der Kurse gegenüber.
Eine verlässliche Prognose, wie sich Kurse entwickeln werden, lässt sich gerade bei Aktien kaum treffen. Dazu ist die Zahl der möglichen, die Notierungen beeinflussenden Faktoren und Ereignisse zu groß. Gleichwohl wollen viele Anleger vor einem Investment wissen, ob die betreffenden Wertpapiere im Vergleich zu anderen eher teuer oder billig sind.
Zu den bekanntesten Kennzahlen zur Bewertung von Aktien zählt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV): Der aktuelle Kurs der Aktie wird dabei zu dem erwarteten Gewinn je Aktie eines Unternehmens ins Verhältnis gesetzt. Ein Beispiel: Bei einem Kurs von 50 Euro und einem erwarteten Gewinn von 5 Euro je Aktie liegt das KGV bei 10. Das KGV gibt also an, mit welchem Vielfachen des erwarteten Gewinns eine Aktie gehandelt wird. Um aber einordnen zu können, ob ein KGV hoch oder niedrig ist, muss dieses mit Werten aus der Vergangenheit, mit denen anderer Wertpapiere oder mit dem KGV-Durchschnitt von Aktienindizes verglichen werden.
Eine weitere Kennzahl zur Aktienbewertung ist die Dividendenrendite. Die Dividende ist jener Teil des Gewinns, den eine Aktiengesellschaft an ihre Aktionäre ausschüttet. Die Dividendenrendite wird berechnet, indem die Dividende durch den Aktienkurs geteilt und das Ergebnis mit 100 multipliziert wird. Durch den Bezug zum Aktienkurs, der auf diese Weise hergestellt wird, lässt sich der Ertrag aus der Dividende besser einschätzen, wie ein Beispiel verdeutlicht: Eine Dividende von 3 Euro je Aktie ergibt bei einem Aktienkurs von 55 Euro eine Dividendenrendite von 5,5 Prozent. Liegt die Dividende nun bei 6 Euro, der Aktienkurs aber bei 125 Euro, beträgt die Dividendenrendite lediglich 4,8 Prozent.
Sowohl der Aktienmarkt als auch der Rentenmarkt wetteifern um die Gunst der Investoren. Allerdings bilden Anleihen eine völlig andere Anlageklasse als Dividendentitel. Um nun die Bewertung des Aktien- und Anleihemarkts miteinander vergleichen zu können, bedienen sich viele Marktteilnehmer des sogenannten Fed-Modells, benannt nach der US-amerikanisehen Notenbank. Dabei wird zur Einschätzung des Aktienmarkts zunächst das jeweilige KGV ermittelt, also etwa das durchschnittliche KGV der 30 Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax). Aus dem sich ergebenden Wert wird dann die langfristig erwartete Rendite von Aktien abgeleitet. So würde ein KGV von 20 einer Rendite von 5 Prozent entsprechen (100 geteilt durch 20). In einem nächsten Schritt wird nun ein Renten-KGV errechnet, und zwar auf Basis einer richtungweisenden Anleihe, zum Beispiel der deutschen Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit. Angenommen, deren Rendite läge bei 4 Prozent und der Kurs bei 100 Prozent: Dann liegt das Renten-KGV bei 25 (100 dividiert durch 4). Verglichen mit dem oben skizzierten Aktien-KGV zeigt sich schon auf den ersten Blick: Anleihen sind in diesem Fall „teurer" als Aktien. Denn das Renten-KGV liegt mit 25 über dem Aktien-KGV von 20.

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)


Kennzahlenvergleiche wie diese können helfen, die Attraktivität von Wertpapieren grob einzuschätzen - wenngleich sie eine fundierte Analyse keineswegs ersetzen. Denn die richtige Interpretation von Indikatoren zur Bewertung von Wertpapieren setzt viel Erfahrung und auch eine sehr gute Marktkenntnis voraus. Wer auf Investmentfonds setzt, kann dagegen immer darauf vertrauen, dass versierte Anlageprofis diese Aufgabe für den Anleger übernehmen.

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